adblock

Manchmal wünschen wir uns ein Verbot für Ad-Blocker. Zum Beispiel, wenn die Betreiber sehr guter Webseiten am Hungertuch nagen. Es ist schließlich nicht leicht, da draußen im Internet zu überleben. Was bleibt einem Content-Provider, wenn TKPs sinken und performancebasiertes Affiliate-Marketing durch Ad-Blocker erschwert wird? Pay-Wall? Flattr-Button? Das nächste Kickstarter-Projekt?

Es gibt aber auch Seiten, die wir ohne Ad-Blocker niemals besuchen würden, weil dort zweifelhafte Werbeformen nur darauf warten unser Nervenkostüm zu malträtieren. Dann denken wir: Gott sei Dank für die Blocker!

Zwischen den Polen eine klare Haltung einzunehmen, ist gar nicht leicht. Klar, man sollte ehrwürdigen Content-Anbietern nicht per Werbe-Unterdrückung den Geldhahn zudrehen, darüber sind wir uns einig. Die meisten Mitmenschen versichern, dass sie deshalb auf häufig besuchten Seiten den Ad-Blocker deaktivieren. Die Frage ist nur: Entspricht das wirklich der Realität?

Jeden Tag werden tonnenweise Musik-, Film- und Software-Dateien illegal aus dem Netz geladen, obwohl alle User auf Anfrage beschwören, ihre Unterhaltungsmedien ausschließlich legal zu erwerben. Wie viel Prozent der Adblock Plus-User lassen wirklich Werbung auf ihren Favoritenseiten zu? Tatsächlich so zu handeln, wäre einfach: Zum Glück lässt sich Adblock Plus ja mit wenigen Klicks manuell konfigurieren. Die Seite darf Werbung zeigen, die andere nicht.

Jörg Langer, Betreiber von GamersGlobal.de sieht sich als Opfer und zieht in einem mittlerweile fast berühmt gewordenen Kommentar eine, sagen wir: eher negative Bilanz in eigener Sache.

„Ich habe kein Verständnis mehr dafür, dass Website-Parasiten zwar gerne regelmäßig auf GamersGlobal kommen, hier vielleicht sogar registriert sind, aber mir dann erzählen wollen, ich (natürlich nur im übertragenen Sinne) sei Schuld, wenn sie den Adblocker nicht aus- oder nach kurzem Versuch einmal pro Jahr gleich wieder anmachen.“

Gemeinsam an das Gewissen appellieren?

Ad-Block-User als Parasiten zu beschimpfen, halten wir dann doch für kontraproduktiv. Jedenfalls sehen wir nicht, dass danach Besserung eintreten könnte.

Die andere Gegenwehr: Axel Springer und die RTL Group lassen ihre Anwälte ausschwärmen. Ihr Ziel sind aber nicht die werbescheuen Besucher, sondern Adblock Plus selbst. Ursprünglich hatte man übrigens versucht, gemeinsam eine friedliche Lösung zu erarbeiten, aber die Parteien konnten sich offenbar nicht einigen. Ach, wie gerne hätten wir einen Mitschnitt dieser Verhandlungen.

Man kann natürlich auch an das Gewissen der Besucher appellieren. So ruft ein Zusammenschluss namhafter Nachrichtenwebsites gegen die Nutzung von Adblockern auf. Dazu gehören Süddeutsche.de, faz.net, golem.de, RP Online, Spiegel Online und Zeit Online. Man versucht, die Leser sanft aufzuklären, statt sie zu beschimpfen, doch auch hier kann über die Erfolgschancen nur spekuliert werden. Manche Experten halten das Ganze sogar für ein Eigentor. Erklärung: Es gäbe zu viele Laien, die noch nie von Ad-Blockern gehört haben. Die Kampagne könnte sie eher dazu animieren, Tools wie Adblock Plus einmal auszuprobieren.

Hmm, klingt leider plausibel.

Unternehmen ohne Ehre

Es ist ja seit längerem bekannt, dass sich die Eyeo GmbH (Adblock Plus) dafür bezahlen lässt, bestimmte Werbung gewähren zu lassen. Unabhängig davon, was der Nutzer so zusammenkonfiguriert. Es sei denn, der Nutzer wehrt sich, indem er explizit dagegen ankonfiguriert. „Wir werden von einigen große Firmen bezahlt, die unaufdringliche Werbung unterstützen, welche an der Initiative für Akzeptable Werbung teilnehmen möchten.“, heißt es auf der Webseite des Unternehmens. Kurz: Wer Geld auf den Tisch legt, kann die Adblock Plus-Barriere durchbrechen. Ein Geschäftsmodell, das ein klein wenig an die gute alte Schutzgelderpressung erinnert. Wahrscheinlich denken Sie jetzt: „Kein seriöses Unternehmen würde sich an so einer Praxis beteiligen! Das sind wahrscheinlich Porno- und Glücksspielanbieter.“

Die traurige Wahrheit ist, dass sich sogar renommierte Unternehmen diesen zweifelhaften Methoden unterwerfen. Zum Beispiel Amazon, Microsoft und Google. Heißt es jedenfalls. Der Suchmaschinenriese soll den Adblock Plus-Machern stattliche 25 Millionen US-Dollar bezahlt haben, um an der „Initiative für Akzeptable Werbung“ teilzunehmen. Irgendwie bemitleidenswert und schäbig, aber ganz oben muss man wohl pragmatisch und emotionslos entscheiden, um erfolgreich zu sein. Vielleicht sollten Microsoft, Amazon und Google das Lösegeld lieber in kreative Köpfe stecken, um die Wurzel des Problems zu bekämpfen?

Im Grunde ist es ja ganz einfach: Gäbe es keine nervige Werbung, dann gäbe es auch keinen Grund mehr, Werbeblocker zu installieren. Und ja, nervig sind vor allem Pop-ups und blinkende Superbanner. Relevant platzierte In-Content-Ads und sogar hochwertig gestaltete Full Skinnings stören deutlich weniger. Zwei entscheidende Wörtchen waren hier:

  • Relevante Platzierung
  • Hochwertige Gestaltung

Sagt jetzt keine Studie, sagen einfach mal wir. Und so Sachen gibt’s. Kriegt nur keiner mit, weil ja der Ad Blocker an ist?

Das Leben ist unfair.