Immer wenn Facebook seine AGB ändert, verwandelt sich unsere Timeline in ein Irrenhaus. Ein paar Verwirrte verbreiten peinliche „Hiermit widerspreche ich den neuen AGBs“-Beiträge und sehen sich zum modernen David berufen, der Goliath per „Teilen“-Button in die Knie zwingt.

Dumm nur, dass man den neuen AGB automatisch zustimmt, wenn man Facebook weiter nutzt.

Ebenso amüsant sind Wutbürger, die erst einmal aufgebracht auf den Tisch, beziehungsweise in die Tasten hauen und drohen, dem sozialen Netzwerk den Rücken zu kehren. Und zwar jedes mal, wenn Facebook etwas ändert.

Häufig gießen die „Freunde“ dieser Wutbürger mit veralteten Informationen weiter Öl ins Feuer: „Den Account kannst Du gar nicht selber löschen! Das kann nur Facebook!“ Spätestens jetzt bildet sich eine Art Petrischale des Halbwissens, welche mit Verschwörungstheorien und plumpen Drohgebärden angereichert wird. Unser Favorit: „Die Drecksau Zuckerberg soll mir seine Adresse schicken, dann darf er gerne meine AsozialGaleerensklavenBestrafung (AGB) akzeptieren!“ Äh. What?

Facebook AGBs

Natürlich lassen sich auch renommierte Nachrichtenportale über das Thema aus, schließlich polarisiert das und zieht User ohne Ende. Dass dieselben Nachrichtenportale von ähnlichen Tracking-Tools profitieren, findet in den Artikeln keine Erwähnung. Wäre ja auch uncool, den Lesern mitteilen zu müssen: „Facebook spioniert jetzt noch mehr – also zumindest mehr als wir!“ Social-Media-Kollegah Thomas Hutter hat das Ganze in diesem Beitrag schön zusammengefasst.

Was sich in Sachen Privatsphäre wirklich ändert

Wieso sind so viele Menschen ob der neuen AGB derart aufgebracht? Klar, ist nicht von der Hand zu weisen, dass Facebook unsere digitalen Fußabdrücke noch genauer unter die Lupe nimmt. So wird nun mittels genauer Abfrage der Standortdaten noch gezielter geworben. Überdies analysiert Facebook, welche Sites und Apps von uns genutzt werden. Auch das ermöglicht gezieltere Ads, denn bislang hat FB diese hauptsächlich aus unseren „Gefällt mir“-Angaben generiert. Aber waren wir bisher davon ausgegangen, dass das nicht passieren wird? Mal ehrlich, wer Facebook nutzt, weiß seit jeher, worauf das hinausläuft. Und regt sich bloß künstlich auf, wenn’s mal wieder schriftlich kommt. Leute, nehmt Druck von den Kapillargefäßen und folgt einem Tipp, den wir letztens von einem Berater älteren Semesters bekommen haben:

„Ich mach wegen Compliance gar nichts in der Cloud. Ich hab nur Whatsapp, das reicht mir aber auch.“

Fazit: Im Hintergrund werden ab sofort noch mehr alltägliche User-Daten an Facebook übermittelt. Theoretisch generiert jeder Besuch einer externen Website oder die Nutzung einer Third-Party-App neue Daten, die sich Facebook mit Freuden unter den Nagel reißt. Überprüft deshalb regelmäßig Eure Privatsphäre-Einstellungen oder besucht gelegentlich die Website der Allianz digitaler Werber in Europa (EDAA), um einzelnen Unternehmen die Erhebung von Nutzungsdaten für personalisierte Werbung zu untersagen.

Und wenn sich der Blutdruck wirklich wieder gesenkt hat: Fragt uns mal unverbindlich, was man mit alledem aus Unternehmersicht eigentlich anstellen kann. Sollen ja auch Marketing-Chancen stecken in so Facebook-Änderungen.