Wie Social Media ist die Metropolregion? (Teil 1: Nürnberg)

Nürnberg erleben

Im Netz tummeln sich zahlreiche Beiträge zum Thema „Städte im Social Media-Ranking“. Allesamt höchst professionell präsentiert und nicht selten auf Informationen von pluragraph.de basierend. Für Marketing-Profis und Social Media-Gurus sind solche Artikel in der Regel wertvoll, doch wie würde ein Laie die Social Media-Arbeit einer Kommune bewerten? Otto Normalverbrauchern ist es schließlich völlig wumpe, was Analyse- und Benchmarking-Tools zu diesem Thema ausspucken. Einen Nürnberger Bürger interessiert viel mehr, ob es sich für ihn lohnt, die Social Media-Präsenzen seiner Heimatstadt zu liken. Gibt es regelmäßig Event-Empfehlungen? Werden interessante Links gepostet? Verbreiten die Verantwortlichen überall dieselben Texte oder spendiert man jedem Kanal seine eigenen Inhalte? Wie zügig und freundlich werden User-Fragen beantwortet? Kurz: Was ist mit der menschlichen Komponente?

Wir betrachten das Ganze für unseren Blog aus der Sicht eines ganz normalen Verbrauchers – im Fachjargon auch „DAU“ (Dümmster anzunehmender User) genannt. Jemand, der nicht den Großteil seines Lebens im Web verbringt. Nach und nach knüpfen wir uns die Städte der Metropolregion vor. Beginnend mit Nürnberg, anschließend Fürth und – last but not least – Erlangen. Welche Kommune bietet ihren Einwohnern das beste Angebot? Weil wir uns gerne als omnipotente Gönner präsentieren, verleihen wir am Ende unserer Testserie sogar einen Award: „Social Network-King of the Metropolregion!“

Check Noris: Das kann Nürnbergs Facebook-Seite

Als erstes sehen wir uns an, was Nürnberg im größten sozialen Netzwerk treibt. Die Facebook-Präsenz läuft unter dem Namen „Nürnberg erleben“ und lässt sich über die Suche sehr schnell erreichen. 86.913 Likes sind für eine Stadt mit rund 511.000 Einwohnern gar nicht mal so schlecht. Für Fürth (116.000 Einwohner) haben nur 6.009 Menschen den „Gefällt mir“-Button betätigt und Erlangen steht mit 2.938 Likes an dritter Stelle. Warum Siemensianer und Studenten so like-faul sind, beleuchten wir im letzten Teil unseres Vergleichs.

Zurück zur Nürnberger FB-Seite: Der erste Beitrag, der uns förmlich entgegenspringt, dreht sich um eine Playmobil-Figur zur Luther-Dekade, die dem theologischen Urheber der Reformation nachempfunden ist und welche die Stadt Nürnberg als Sonderauflage herausgegeben hat. Es ist schön, dass sich der Social Media Manager der Stadt Nürnberg die Zeit nimmt, den Ideen aus der Abteilung für klassisches Marketing ein Bisschen Rampenlicht zu geben. Kollegialität gibt immer Sympathiepunkte.

Die Beiträge von „Nürnberg erleben“ bieten ansonsten einen ausgewogenen Mix aus ortsrelevanten Meldungen, Touristik-Informationen, Kultur- und Veranstaltungshinweisen – allerdings scheinbar nur für Sachen, die wirklich von der Stadt selbst ausgehen. Großevents, Museumsführungen und so weiter.

Direkt im Non-Scroll-Bereich erfahren wir, dass die „Wünsch-Dir-was-Ringe“ des schönen Brunnens verschlissen sind und in Kürze ausgewechselt werden. Deshalb gingen unsere Wünsche also nie in Erfüllung! Außerdem lesen wir, dass man nur mit Taschenlampe und Kompass bewaffnet die Nürnberger Felsengänge erkunden darf. Obwohl wir schon sehr lange in Nürnberg residieren, haben wir den creepy Underground-Spaziergang bisher nicht angetreten. Vielleicht kommendes Wochenende.

So hat sich der Blick auf die Seite auch aus Sicht eines braven Bürgers schon gelohnt. Der Info-Gehalt geht auf jeden Fall in Ordnung. Allerdings hauptsächlich, so lange wir auf der Suche nach Freizeittipps sind.

Bürgerservice nach Art „Rathaus zum Anfassen“ ist hier nicht Programm.

Auch eine Plattform für wirklich umfassende Tagestipps will „Nürnberg erleben“ nicht sein. Okay, da muss auch Politik dahinterstecken. Niemanden bevorzugen und so. Wäre für Bürger (und Besucher) trotzdem toll, wenn besondere Aktionen von engagierten Drittveranstaltern einen Platz fänden.

Für Leuchtturmthemen setzt die Stadt auf eigene Facebook-Seiten, so für:

Kommunikation mit den Usern

Oft bei Facebook offenbart ein Klick auf „Beiträge auf der Seite“ ein Bild des Grauens und auch „Nürnberg erleben“ bildet hier keine Ausnahme. Wo sich User frei und quasi unmoderiert ausdrücken, bleibt die Qualität auf der Strecke. Wie so oft finden sich darunter diverse Spam-Beiträge irgendwelcher Dienstleister aus der Region. Zum Beispiel „5 Tage kompakte Abiturvorbereitung in den Osterferien!“ oder „Du tanzt gerne, magst spanische Musik, hast aber selten einen Tanzpartner greifbar? Dann lern FLAMENCO, denn hier brauchst du keinen Partner!“

Solche Beiträge müsste der Social Media-Beauftragte eigentlich sofort löschen. Schließlich ist die „Beiträge“-Seite dazu da, um einen besseren Dialog zwischen Community und Seitenbetreiber zu ermöglichen. Es sollen Fragen gestellt, Geheimtipps, relevante Infos und weiterführende Links geteilt werden. Ein weiteres Qualitätskriterium ist die „Frage-Antwort-Dauer“. Wir haben folgende Frage gestellt: „Wir würden im Rahmen eines Besuchs auch gerne die schöne Nürnberger Burg besuchen. Wann ist die beste Zeit dafür und wo genau muss man hin, um zum Beispiel an einer Führung teilzunehmen?“

Einen Tag später gab es immer noch keine Antwort. Das Studium älterer Beiträge (Dez 2014 – Feb 2015) macht schnell klar, dass User-Fragen innerhalb von 24 Stunden beantwortet werden oder gar nicht.

Check Noris: Das kann Nürnbergs Twitter-Seite

Nürnberg zwitschert zweigleisig: Stadt Nürnberg (@nuernberg_de) und Tourismus Nürnberg (@Nuernberg_Info). Der Laie wundert sich erst mal darüber, dass viele Beiträge in beiden Twitter-Channels auftauchen. Der Fortgeschrittene erkennt allerdings, dass es sich um Retweets handelt. Tourismus Nürnberg retweetet tatsächlich alle Beiträge der Stadt Nürnberg. Doppelt hält bekanntlich besser! Die Stadt Nürnberg hat 11.000 Follower, während sich Tourismus Nürnberg bei rund 2.650 Followern einpendelt.

Ein Fan der FB-Seite „Nürnberg erleben“ kann beide Twitter-Konten ignorieren, da die Beiträge größtenteils identisch sind. Wir sprechen hier nicht nur von identischen Themen, sondern auch der Wortlaut ist häufig derselbe. Folgender Beitrag findet sich auf Facebook und Twitter: „Unser kleiner Playmobil Martin Luther kommt super an! Die Startauflage ist mittlerweile vergriffen – aber Mitte April gibt’s Nachschub…“ Kurz: Den Twitter-Auftritt der Stadt kann man sich als Privatperson fast komplett sparen. Der Twitter-Feed von @NuernbergKultur taugt zumindest als Veranstaltungsticker für ältere Damen oder Männer, die nicht wissen, was sie mit ihren Schwiegereltern unternehmen sollen. Für Events der spannenden Nürnberger Subkultur ist hier leider kein Platz? Mag auch der Stichprobe geschuldet sein. Vorführeffekt und so

Check Noris: Was bei Google+ passiert 

Bei Google+ hat Nürnberg Tourismus rund 700 Follower, die Stadt Nürnberg zählt mit eigenem Auftritt knapp 150. Klingt nach wenig, aber Google+ ist jetzt nicht unbedingt die Erfolgsgeschichte unter den Social Networks. Trotzdem versuchen die Nürnberg-Admins monatlich eine Handvoll Posts unter die Leute zu bringen, was vor allem ein Beweis dafür sein könnte, dass der Chef gesagt hat: „Wir sind Nemmberch! Mir müssnä auf alle Netzwerge!!“ Mehr Zeit für Facebook übrig zu haben, könnte ratsamer sein …

Instagram: Nürnberg in Bildern

Auf Instagram bringt Nürnberg als „nuernberg_de“ 3.517 Nürnberg-Follower an den Start. Der Laie wundert sich, warum es im Vergleich zu FB so viel User-Feedback gibt, obwohl die Facebook-Seite zwanzigmal mehr Follower hat. Ja, die Kommunikation Admin-to-User und User-to-User flutscht hier geradezu! Die Liebe zu guten Fotos schweißt offenbar zusammen. Liebhaber unter sich und so. Selbst der Admin wirkt nicht so kurz angebunden, was darauf schließen lässt, dass ihm die Fotografie am Herzen liegt. Oder warum ausgerechnet im Foto-Netzwerk plötzlich dieser Enthusiasmus in Text?

Da baut doch gerade jemand den #SchönenBrunnen am #Hauptmarkt ab!? Keine Sorge, eine der wichtigsten Nürnberger Sehenswürdigkeiten bleibt natürlich weiterhin an seinem Platz. Man will es kaum glauben, aber die beiden Ringe am #Gitter des Schönen Brunnens sind durch die täglich hohe Beanspruchung durch die vielen Hände die daran drehen wollen verschlissen. Deshalb werden sie erneuert. Dabei wird auch gleich die Gitterumzäunung saniert. Ab Ostern gibt es dann wieder die Ringe am restaurierten Gitter, bis dahin müssen sich Touristen und Einheimische mit einer Ring-Kopie zufrieden geben, die vor dem abgedeckten Brunnen aufgestellt wird. (rh) #igersnürnberg #nürnberg #brunnen #ring #goldenerring #tourismus #altstadt

Ein von Stadt Nürnberg (@nuernberg_de) gepostetes Foto am


Check Noris: Wie schneidet Nürnberg unterm Strich ab?

Nürnberg ist online ziemlich aktiv. Alleine zum Thema Kultur und Veranstaltungen hat die Stadtverwaltung diverse Web-Angebote im Programm. Allein, in den sozialen Netzwerken besteht noch ziemlich viel Handlungsbedarf, wenn das Bürgerkanäle werden sollen. Man spürt förmlich, dass diese Felder auch beackert werden, weil das heute halt dazu gehört, ne? Ach, warum auch nicht! Im Vergleich mit Fürth und Erlangen werden wir erst sehen, wo Nürnberg relativ steht.

Markenlebendigkeit aus dem digitalen Raum.


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