Erlangen.de

Nürnberg und Fürth haben wir im Rahmen unseres Social-Media-Checks „laut Bauchgefühl“ schon unter die Lupe genommen – jetzt kommt Erlangen an der Reihe. Wie immer geht es nicht einfach nur um nackte Zahlen. Viel mehr wollen wir wissen, ob die Social-Media-Präsenz einer Kommune für ihre Bürger einen echten Mehrwert darstellt. Ganz subjektiv beurteilt.

Das kann Erlangens Facebook-Seite

Die Pinnwand von „Erlangen.de“ überzeugt durch einen Mix aus praktischen Infos, Veranstaltungstips und netten Belanglosigkeiten. So erfahren wir, dass die Stadtverwaltung am Faschingsdienstag bereits um 12 Uhr schließt und dass jährlich am 13. Februar der Tag des Rauchmelders gefeiert wird. Außerdem wurde ein Beitrag der Stadtwerke geteilt, um mehr Bürger über Fahrplanänderungen im öffentlichen Nahverkehr zu informieren. „Nürnberg erleben“ bietet einen ähnlichen Themenmix, wobei „Erlangen.de“ durch regelmäßige Updates zu Baustellen, Umleitungen und Öffnungszeiten einen höheren Nutzwert, richtiggehend Bürgerservice anbietet. Dafür sind Posts selten, die das Herz ansprechen

Hängt es hier deswegen an der Außenwirkung? Knapp 3.000 Mal wurde die Facebook-Seite Erlangen.de bis dato gelikt. Bedenkt man, dass Erlangen rund 108.000 Einwohner hat, dann erscheint die Zahl gering. Zehnttausendfantastilliarden Studenten und Siemens-Mitarbeiter haben in Erlangen residiert, sie kommen und gehen wie Bierfässer auf der Bergkirchweih. Da sollte man doch meinen, dass die offizielle Facebook-Präsenz mindestens so viele Fans anzieht wie

Liegt es auch daran, dass unter dem Dach der Marke Erlangen gleich mehrere FB-Präsenzen um die Gunst der User buhlen? Über das Konto „Mein Erlangen“ (1.646 Likes) werden vor allem Touristik-Informationen geteilt. Offenbar war eine klare Trennung geplant, doch in der Praxis gibt es immer wieder thematische Überschneidungen. Auf der Pinnwand von „Mein Erlangen“ finden sich fast ausschließlich Beiträge, die auch für „Erlangen.de“ geeignet wären. Das heißt, angesprochen fühlen dürfen sich wahlweise Bürger oder Touristen, die entweder schon hier vor Ort sind oder wenigstens gerade auf der Anreise.

Kostprobe: „Am Montag geht sie los, die Großbaustelle an der Martinsbühler Straße.“

Yay, bei so viel Enthusiasmus wollen wir da glatt unseren Urlaub verbringen! Wir meinen: Baustellenwarnungen im Tourismus-Marketing sind sehr fair spontanen Gästen gegenüber. Auch Erfolgsstatistiken wie der Jahresbericht zu den Besucherzahlen helfen dem Erlanger Touristen, sich nicht als Randgruppe isoliert zu fühlen, es gibt noch andere! Aber was ist denn mit den schönen Seiten der Stadt, mit den Gründen für eine Reise, trivial gesagt: Wo ist zum Beispiel der Sonnenuntergang über dem Schlossgarten, das exklusive Panoramafoto vom Stadtwerketurm, wo sind die weichen Hügel über dem Meilwald, wo Erlanger Gesichter und Stimmen? Okay, wir haben die Timeline nicht bis zum Anfang aller Tage durchkämmt. Aber die letzten Wochen und Monate … eher beamtisch als gefühlsbetont. Schon klar, für die Unternehmer im Marketingverein muss Konsumentenkommunikation schon sein, aber überwiegend die lokale Zielgruppe? So können die beiden Seiten gar nicht anders, als sich ins Gehege kommen. Was uns zurück zur Hauptseite bringt, die ihrerseits genau diese vermeintlich trockenen Themen bemerkenswert lebendig transportiert!

Kommunikation mit den Usern

Ein Klick auf „Beiträge auf der Seite“ führt uns zum Beispiel zu den User-Posts: Während dieser Bereich bei „Nürnberg erleben“ eher spam-lastig ausfällt und bei „fürth.de“ erst gar nicht existiert, dominieren bei „Erlangen.de“ tatsächlich die ordentlichen Beiträge. Entweder löscht das Team hier aktiv die störenden Posts oder die Erlanger Bürger wissen eher, was sich gehört. Zwar gibt es ein paar User-Beiträge, die ein Produkt, eine Veranstaltung oder Dienstleistung anpreisen, doch diese haben immer einen klaren Bezug zur Stadt und stellen so eine inhaltliche Bereicherung dar.

Besonders schön: User-Fragen erhalten binnen weniger Stunden eine Antwort. Wir sind angetan.

Das kann Erlangens Twitter-Seite

Erlangens Twitter-Seite (@erlangen.de) hat rund 2.900 Follower und darf mit über 17.000 Tweets als echtes Leidenschaftsprojekt in der Stadtverwaltung gelten. Zum Vergleich: Die Nürnberger haben nur ein Drittel davon in die Welt gezwitschert. Gastierende Künstler kriegen gute Wünsche für den Auftritt am Abend mit. Beiträge aus der Regionen erhalten einen aufmunternden Retweet. Und obwohl wir keine Fans der Mikoberichterstattung in privaten Twitter Feeds sind, so von der Dusche zum Kaffee zur Straßenbahn über alle Belanglosigkeiten des Tages hinweg bis zum Bett, obwohl wir all das gar nicht so sehr zielgerichtet finden, hat’s hier doch einen bürgernahen Charme: „Die Maschinen laufen. Guten Morgen Erlangen. Grau. Trüb. Kalt. EGAL! Es ist Freitag!“ Mit dem Amt durch die Schlechtwetterlaune, warum eigentlich nicht, da nimmt man auch mal den gefürchteten Wochenend-Tweet entgegen. Wenn uns Beamte beim Aussitzen helfen, ist das schließlich große Social-Media-Kunst: nämlich authentisch. 😉

Dass sich echte Twitter-Dialoge trotzdem in Grenzen halten, am vollen Einsatz kann es nicht liegen. Was auch mal wieder die Frage aufwirft, ob die Liebesmüh für regionale Twitter-Feeds in vielen Bereichen nicht verloren ist. Jedenfalls in der breiten Publikumsansprache. Spitzere Zielgruppen könnten Lokaljournalisten, die Erlanger Hi-Tec- und Medizin Connection oder womöglich die Studenten sein … aber das entspricht natürlich nicht dem städtischen Auftrag.

Hier jedenfalls ein Sternchen für Fleiß!

Was bei Google+ und Instagram passiert 

Bei Google+ heißt es kurz: „Die Stadt Erlangen nutzt derzeit nicht mehr das Angebot von Google+ – es werden derzeit keine Einträge mehr vorgenommen“. Das ist die Konsequenz, zu der sich viele nicht durchringen können. Denn mal ehrlich, alle Kanäle gleichzeitig kriegt niemand von uns richtig hin. Am Ende gibt es drei Möglichkeiten:

  • das volle Programm,
  • die Zweitverwertung anderer Inhalte,
  • die bewusste Verweigerung.

Wichtig ist, dass die Positionen trotzdem besetzt sind und nicht von Dritten gekapert werden können. Grundsätzlich gilt: Lieber erst mal einen Kanal sauber hochziehen, dann von dort aus weitermachen. Allerdings hätten wir dem Admin empfohlen, im letzten Post auf die alternativen Kanäle zu verweisen. Und eine ruhende Seite könnte trotzdem mit allerlei Bildwerk, Videos und Image-Texten sauber aufpoliert sein.

Auf Instagram ist Erlangen übrigens gar nicht vertreten. So weit wir sehen konnten auch nicht mit dem Tourismusmarketing. Aber das Thema hatten wir oben schon: Wo ansprechende Fotos und Gesichter aus dem Erlanger Alltag vielleicht fehlen, lässt sich ein visueller, emotionaler Kanal nur schwierig bedienen. Da nicht mitzuspielen ist unter Touristikern zwar eher ungewöhnlich, aber auf jeden Fall ein Statement.

Randnotiz: Ein Flickr-Konto existiert, da stieg wohl mal ein Testballon. Seit 2008 liegt der Account aber brach.

Wie schneidet Erlangen unterm Strich ab?

Erlangen zeigt sich auf Facebook und Twitter hochengagiert, was die Bürgerkommunikation angeht. Da erhält, wer hier wohnt, tatsächlich nützliche Informationen, die Kommunikation erfolgt persönlich und schnell. Dass die zwei FB-Konten von Stadtverwaltung und Erlangen Marketing sich thematisch überschneiden, sehen wir vor allem als Chance für die Tourismuskommunikatoren, mehr nach außen zu gehen. An dieser Stelle hat Nürnberg zwei, drei, hundert Dürernasen vorn. Fällt seinerseits aber in der Bürgeransprache zurück.

Die abrupte Google-Plus-Flucht der Erlanger halten wir für etwas unglücklich in der Form, aber grundsätzlich konsequent in der Sache. Darf man machen. Nur sollten die offizielle Stellen regelmäßig neu bewerten, ob Nutzer abseits von Facebook und Twitter wenigstens einen Zweitverwertungskanal nicht sogar begrüßen würden. Besser als nichts und so. Natürlich würden wir Euch den dann auch wieder irgendwie ankreiden, siehe das Gemecker bei Nürnberg.

Das Fehlen eines Instagram-Kontos kann man doof finden, muss man aber nicht. Wieder sehen wir das eher als Baustelle im Tourismus-Marketing denn als Verfehlung der Stadtverwaltung. Wie gesagt: In der Hauptsache wollten wir in der aktuellen Reihe untersuchen, was in den sozialen Netzen für die Bürger geboten ist. Bürgermeister Florian Janik, persönlich ansprechbar auf Facebook und Twitter, sei da als Erlanger Special Feature erwähnt, läuft aber außer Konkurrenz.

Unser Fazit von alledem (samt Ranking & Award) folgt demnächst, in einem Rahmenartikel zum Abschluss.